Die Zeit Ist Hin (The Time is Gone) – by Theodor Storm

Die Zeit ist hin, du löst dich unbewußt
und leise mehr und mehr von meiner Brust,
ich suche dich mit sanftem Druck zu fassen,
doch fühl ich wohl, ich muß dich gehen lassen.

So laß mich denn, bevor du weit von mir
Im Leben gehst, noch einmal danken dir,
und magst du nie was rettungslos vergangen,
in schummerlosen Nächten heimverlangen.

Hier steh ich nun und schaue bang zurück,
vorüber rinnt auch dieser Augenglick,
und wieviel Stunden dir und mir gegeben,
wir werden keine mehr zusammen leben.

—-

Poetry is very difficult to translate into another language. Here is my humble and awkward attempt to convey the meaning to those of my readers that do not understand German:

The time is gone, you withdraw subconsciously
and softly ever more from my chest,
I try to hold on to you with gentle pressure,
but still I feel I have to let you go.

So let me thank you one more time,
before you’re far away from me in life,
and may you never wish back in sleepless nights
that which is hopelessly lost and gone.

Here I stand and look back anxiously,
as even this moment vanishes from us,
no matter all the hours we have spent,
we may never have another one together.

This is actually a song. Here is the music.

And here, thanks to J.S., the actual song:

German Poem: Die Vergeltung – by Annette von Droste-Hülshoff

The German poet and writer Annette von Droste-Hülshoff was born in 1797. Her poem Die Vergeltung (the retaliation) is about a shipwreck during a storm. A passenger survives and floats in debris, knowing that he will eventually sink and die. When he finds a sick man clinging to a strong log, he dislodges and drowns the sick man to save himself. Eventually he is rescued and his journey turns into another unexpected direction…

I cannot translate this poem into English, just as I could not translate Shakespeare into German. Some things need to remain what they are.

When I was 14 years old, in German class, we had a teacher who occasionally made us memorize poems. We hated him for that. We thought he did it because he was able to keep us busy without having to do any preparation work himself. While that might have been right, I am amazed that over 40 years later I still remember a number of the poems I had memorized in his class, the longest of which is Die Vergeltung, and I am grateful for having done it.

Granted, there were sections that were no longer on the surface now. My endeavors with memory, after reading Moonwalking with Einstein, have motivated me to spend a couple of hours dusting off Die Vergeltung so I’d have it on instant recall for the rest of my life.

My teacher may no longer be alive, but if he knew that I still know his assigned poems today, I think we would be happy.

For those of you who can read German, enjoy:

Die Vergeltung – Annette von Droste Hülshoff

Der Kapitän steht an der Spiere,
das Fernrohr in gebräunter Hand,
dem schwarzgelockten Passagiere
hat er den Rücken zugewandt.
Nach einem Wolkenstreif in Sinnen
die beiden wie zwei Pfeiler sehn,
der Fremde spricht : “Was braut da drinnen!”-
“Der Teufel”, brummt der Kapitän.

Da hebt von morschen Balkens Trümmer
ein Kranker seine feuchte Stirn,
des Äthers Blau, der See Geflimmer,
ach, alles quält sein fiebernd Hirn!
Er läßt die Blicke, schwer und düster,
entlängs dem harten Pfühle gehn,
die eingegrabnen Worte liest er:
“Batavia. Fünfhundertzehn.”

Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde
das Schiff ächzt auf der Wellen Höhn.
Gezisch, Geheul aus wüstem Grunde,
die Bohlen weichen mit Gestöhn.
“Jesus, Marie! wir sind verloren!”
Vom Mast geschleudert der Matros’,
ein dumpfer Krach in aller Ohren,
und langsam löst der Bau sich los.

Noch liegt der Kranke am Verdecke,
um seinen Balken fest geklemmt,
da kommt die Flut, und eine Strecke
wird er ins wüste Meer geschwemmt.
Was nicht gelang der Kräfte Sporne,
das leistet ihm der starre Krampf,
und wie ein Narwal mit dem Horne
schießt fort er durch der Wellen Dampf.

Wie lange so! – er weiß es nimmer,
dann trifft ein Strahl des Auges Ball,
und langsam schwimmt er mit der Trümmer
auf ödem glitzerndem Kristall.
Das Schiff! – die Mannschaft! – sie versanken.
Doch nein, dort auf der Wasserbahn,
dort sieht den Passagier er schwanken
in einer Kiste morschem Kahn.

Armsel’ge Lade! sie wird sinken,
er strengt die heisre Stimme an:
“Nur grade! Freund, du drückst zur Linken!”
Und immer näher schwankts heran,
und immer näher treibt die Trümmer,
wie ein verwehtes Möwennest;
“Courage!” ruft der kranke Schwimmer,
“mich dünkt, ich sehe Land im West!”

Nun rühren sich der Fähren Ende,
er sieht des fremden Auges Blitz,
da plötzlich fühlt er starke Hände,
fühlt wütend sich gezerrt vom Sitz.
“Barmherzigkeit! ich kann nicht kämpfen.”
Er klammert dort, er klemmt sich hier;
ein heisrer Schrei, den Wellen dämpfen,
am Balken schwimmt der Passagier.

Dann hat er kräftig sich geschwungen
und schaukelt durch das öde Blau,
er sieht das Land wie Dämmerungen
enttauchen und zergehn in Grau.
Noch lange ist er so geschwommen,
umflattert von der Möwe Schrei,
dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,
Viktoria! nun ist er frei!

Drei kurze Monde sind verronnen,
und die Fregatte liegt am Strand,
wo mittags sich die Robben sonnen,
und Bursche klettern übern Rand,
den Mädchen ists ein Abenteuer,
es zu erschaun vom fernen Riff,
denn noch zerstört, ist nicht geheuer
das greuliche Korsarenschiff.

Und vor der Stadt, da ist ein Waten,
ein Wühlen durch das Kiesgeschrill,
da die verrufenen Piraten
ein jeder sterben sehen will.
Aus Strandgebälken, morsch, zertrümmert,
hat man den Galgen, dicht am Meer,
in wüster Eile aufgezimmert.
Dort dräut er von der Düne her!

Welch ein Getümmel an den Schranken! –
“Da kommt der Frei – der Hessel jetzt –
da bringen sie den schwarzen Franken,
der hat geleugnet bis zuletzt.” –
“Schiffbrüchig sei er hergeschwommen,”
höhnt eine Alte, “ei, wie kühn!
Doch keiner sprach zu seinem Frommen,
die ganze Bande gegen ihn.”

Der Passagier, am Galgen stehend,
hohläugig, mit zerbrochnem Mut,
zu jedem Räuber flüstert flehend:
“Was tat dir mein unschuldig Blut?
Barmherzigkeit! – so muß ich sterben
durch des Gesindels Lügenwort,
o, mag die Seele euch verderben!”
Da zieht ihn schon der Scherge fort.

Er sieht die Menge wogend spalten –
er hört das Summen im Gewühl –
nun weiß er, daß des Himmels Walten
nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!
Und als er in des Hohnes Stolze
will starren nach den Ätherhöhn,
da liest er an des Galgens Holze:
“Batavia. Fünfhundertzehn”